Wissenschaftlicher Beirat Psychotherapie

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Aufgaben / Themen der bisherigen Arbeit des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie

Rechtsgrundlage

Die Ausübung von Psychotherapie im Sinne des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG) von 1998 ist eine mittels wissenschaftlich anerkannter Verfahren vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert, bei denen Psychotherapie indiziert ist. Diese Wissenschaftlichkeitsklausel betrifft sowohl die Ausübung von Psychotherapie als auch die Anerkennung von Ausbildungsstätten.

Aufgaben

Die Aufgabe des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie (WBP) ist zum einen die in § 11 PsychThG niedergelegte gutachterliche Beratung von Behörden zur Frage der wissenschaftlichen Anerkennung von einzelnen psychotherapeutischen Verfahren und daraus resultierend bei der staatlichen Anerkennung von Ausbildungsstätten. Zum anderen befasst sich der Wissenschaftliche Beirat mit Anfragen psychotherapeutischer Fachverbände hinsichtlich der wissenschaftlichen Anerkennung von Psychotherapieverfahren und ‑methoden. Darüber hinaus greift der WBP aus eigener Initiative bestimmte wissenschaftliche Fragen der Psychotherapieforschung auf und setzt Impulse für eine Förderung der Psychotherapie- und Versorgungsforschung.

Bei den Länderbehörden finden die Gutachten bei der Entscheidung über die Anerkennung von Ausbildungsinstituten für Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten Beachtung. Für den Bereich der ärztlichen Psychotherapie sagte die Bundesärztekammer zu, sich auch zukünftig dafür einzusetzen, den Gutachten des WBP Geltung zu verschaffen.

Vereinbarung zwischen Bundesärztekammer und Bundespsychotherapeutenkammer und Geschäftsordnung des WBP

Die Arbeit des Beirats erfolgt auf der Grundlage der Regelungen des Psychotherapeutengesetzes außerdem auf der 2003 zwischen der Bundesärztekammer und der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) geschlossenen Vereinbarung (Dtsch Arztebl 2003; 100: A 3266-3267) und deren Ergänzung 2009 (Dtsch Arztebl 2009, 106: A 730). Darin wurde einvernehmlich vereinbart, die Geschäftsführung für den Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie der dritten Amtsperiode (2009 – 2013) bei der Bundesärztekammer anzusiedeln und danach zu Beginn jeder neuen Amtsperiode die geschäftsführende Zuordnung zwischen den Bundeskammern zu wechseln.

Zusammensetzung

Der Beirat setzt sich paritätisch aus sechs Vertretern/innen der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten einerseits und sechs ärztlichen Vertretern/innen aus den Bereichen "Psychiatrie und Psychotherapie", "Psychosomatische Medizin und Psychotherapie" sowie "Kinder und Jugendlichenpsychiatrie und -psychotherapie" zusammen. Für alle zwölf ordentlichen Mitglieder wurde jeweils ein/e persönliche/r Stellvertreter/in benannt. Die Berufungsdauer bezieht sich auf eine fünfjährige Amtsperiode des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie.

Verfahrensweise

Der WBP hat in der 02. Amtsperiode (2004-2008) entsprechend dem aktuellen wissenschaftlichen Standard und in Reflexion der Erfahrungen der bisherigen Begutachtungen eine Überarbeitung der methodischen Verfahrensweise in Form eines Methodenpapiers erarbeitet. Das Methodenpapier (Version 2.6) trat 2007 in Kraft. Es sieht neben der Bewertung von Psychotherapieverfahren die eigenständige Beurteilung von Psychotherapie-Methoden vor. Dieses Vorgehen trägt dem Umstand Rechnung, dass in den letzten Jahren vielfach spezifische psychotherapeutische Interventionen entwickelt wurden, die auf die Anwendung in bestimmten Störungsbereichen beschränkt sind und nicht eindeutig einem der breit angelegten Psychotherapieverfahren zugeordnet werden können.

Das Methodenpapier des WBP schreibt für die Bewertung von Psychotherapieverfahren und Psychotherapiemethoden die Durchführung einer eigenständigen systematischen Literaturrecherche vor. Das Ergebnis der systematischen Literaturrecherche wird dabei vor Beginn des weiteren Bewertungsprozesses vom WBP publiziert, um Antragstellern und Fachgesellschaften die Möglichkeit zu geben, auf weitere durch die systematische Literaturrecherche noch nicht erfasste Studien hinzuweisen. Gegebenenfalls wird daraufhin vom WBP eine Modifikation der systematischen Literaturrecherche vorgenommen. Anschließend wird das Ergebnis der Literaturrecherche einem Screeningprozess auf der Basis der Abstracts der identifizierten Publikationen unterworfen. Aus diesem Screeningprozess resultiert eine Liste von Publikationen, die anhand differenzierter Kriterien bzw. Operationalisierungen zur allgemeinen methodischen Qualität sowie zur internen und externen Validität der zugrundeliegenden Studien bewertet werden. Hierfür wird ein mit dem G-BA konsentierter Studienbewertungsbogen verwendet.

Eine im Jahr 2009 veröffentlichte Weiterentwicklung des Methodenpapiers (Version 2.7, Bekanntmachungshinweis im Deutschen Ärzteblatt, Heft 49 v. 04.12.2009, S. A 2482) betraf insbesondere die Präzisierung der Vorgehensweise des WBP bei der Berücksichtigung von Studien zu „gemischten Störungen“ (Patienten mit komplexen Störungen, die durch mehrere ICD-Diagnosen abgebildet werden, und/oder diagnostisch gemischte Patientengruppen). So wurde klar gestellt, dass eine Studie zu „gemischten Störungen“ bei der Empfehlung zur vertieften Ausbildung nur dann berücksichtigt werden kann, wenn der Wirksamkeitsnachweis nicht überwiegend auf Behandlungseffekte bei Störungen aus solchen Anwendungsbereichen zurückzuführen ist, für die bereits ein indikationsspezifischer Wirksamkeitsnachweis erbracht worden ist.

Eine weitere Modifikation seines Methodenpapiers hat der WBP im September 2010 beschlossen. . Die Weiterentwicklung (Version 2.8) betrifft die Kriterien des WBP bei der Berücksichtigung von experimentellen Einzelfallstudien bei der Feststellung der wissenschaftlichen Anerkennung psychotherapeutischer Verfahren und Methoden. Danach ist vorgesehen, dass für den Wirksamkeitsnachweis pro Anwendungsbereich eine Gruppenstudie durch mindestens fünf experimentelle Einzelfallstudien ersetzt werden kann, die von mindestens zwei unabhängigen Forschergruppen/Einrichtungen/Institutionen stammen. Weitere Kriterien für die Berücksichtigung von Einzelfallstudien sind, dass in ihnen ein systematischer Zusammenhang zwischen Intervention und Effekt nachgewiesen wurde (z. B. über Messung einer ausreichend langen, stabilen Baseline) und sie, soweit anwendbar, die im Methodenpapier beschriebenen allgemeinen wissenschaftlichen Kriterien erfüllen. Einschlägige Fachgesellschaften und –verbände wurden über die Veröffentlichung von Version 2.8 des Methodenpapiers informiert.

Es besteht eine gemeinsame Arbeitsgruppe von WBP und Gemeinsamem Bundesausschuss (G-BA), um über angemessene Anpassungen der Regelungen des Bewertungsverfahrens beider Gremien zu beraten. Hierbei erkennen WBP und G-BA an, dass ihre jeweiligen Vorgehensweisen zur Beurteilung von Verfahren und Methoden der Psychotherapie unterschiedlichen Zwecken dienen und daher teilweise unterschiedlichen Kriterien folgen müssen. Dessen ungeachtet bestehen in den jeweiligen Vorgehensweisen Gemeinsamkeiten. Daher streben beide Gremien eine Zusammenarbeit an, die sich in der koordinierten Durchführung systematischer Literaturrecherchen gemäß einem zwischen G-BA und WBP geschlossenen Rahmenvertrag sowie in der gemeinsamen Verwendung von Studienextraktionsbögen niederschlagen soll. Die gemeinsame Arbeitsgruppe hat zuletzt am 17.03.2014 getagt.

Gutachten und Stellungnahmen zu Psychotherapieverfahren und ‑methoden

Bisher hat der WBP zu folgenden Psychotherapieverfahren Gutachten erstellt und veröffentlicht:

Die Verhaltenstherapie und die psychoanalytisch begründeten Verfahren unterliegen als vom Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen anerkannte Verfahren nicht der kritischen Prüfung durch eine Landesbehörde oder der gutachterlichen Stellungnahme des WBP. Nach Auffassung des Beirats war es jedoch im Sinne einer prinzipiellen Gleichbehandlung aller psychotherapeutischen Verfahren angebracht, dass auch die Richtlinienverfahren die Gelegenheit wahrnehmen, die Wissenschaftlichkeit ihrer Methode evaluieren zu lassen. Der WBP bot den entsprechenden Fachgesellschaften hierzu seine Hilfe an und stellte seine Kriterien bzw. Verfahrensgrundsätze zur Verfügung.

Die Stellungnahme zur Verhaltenstherapie bei Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen aus dem Jahr 2004 wurde nach den gleichen Kriterien erarbeitet (Deutsches Ärzteblatt 2004, Heft 6, Ausgabe A, S. 367-368; PTJ 2004, 3 (1), S. 54-55). Zur Psychodynamischen Psychotherapie bei Erwachsenen verabschiedete der WBP eine Stellungnahme im November 2004 (Deutsches Ärzteblatt, 102, Heft 1-2, Ausgabe A, S. 73-75) sowie eine Ergänzung zu dieser Stellungnahme (Deutsches Ärzteblatt 2008; 105, Heft 33, Ausgabe A, S. 1752). Der Antrag der Fachgesellschaften auf eine wissenschaftliche Bewertung der psychoanalytisch begründeten Psychotherapieverfahren bei Kindern und Jugendlichen durch den WBP wurde von diesen im Jahr 2007 zurückgezogen. Dementsprechend hat der WBP seinerzeit beschlossen, die Evaluation auf unbestimmte Zeit auszusetzen.

Forschungsförderung

Seit dem Beginn seiner Tätigkeit hat der WBP darauf hingewiesen, dass er trotz beispielhafter Wirksamkeitsstudien mit hoher methodischer Qualität im Bereich der Psychotherapieforschung den Stand und den Umfang der Psychotherapie- und Versorgungsforschung für insgesamt unzureichend hält. Vor diesem Hintergrund forderte der WBP die Bundesregierung, die Krankenkassen, die Rentenversicherungsträger und die Forschungsorganisationen bereits im Jahr 2000 auf, die organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen für eine adäquate Evaluationsforschung im Bereich der Psychotherapie zu schaffen. Dementsprechend setzte sich der Beirat für die Aufnahme des Forschungsbereichs "Psychotherapie" in das Grundlagenforschungsprogramm der Bundesregierung ein und beriet das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bei der Durchführung eines Symposiums im Juni 2003 zur inhaltlichen Ausgestaltung wünschenswerter Forschungsschwerpunkte. Diese Aktivitäten mündeten 2004 in ein Forschungsprogramm des BMBF zur Wirksamkeit und Wirkweise der Psychotherapie.

Nähere Informationen zu dem mit insgesamt 18 Millionen Euro ausgestatteten Forschungsprogramm finden sich unter folgender Internetadresse:

www.gesundheitsforschung-bmbf.de/de/1452.php

In der ersten Förderphase werden bis 2013 insgesamt fünf Forschungsverbünde gefördert.

Der WBP der dritten Amtsperiode hat in Kontinuität der bisherigen Aktivitäten eine neue Initiative zur Förderung der Psychotherapieforschung eingeleitet. Zu diesem Zweck hat er ein Grundsatzpapier zur Intensivierung und Verstetigung der Evaluationsforschung in der Psychotherapie verfasst, das dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zugeleitet und als Grundlage für ein Gespräch im Ministerium im Dezember 2010 zu weiterem Forschungsbedarf und Möglichkeiten für die Förderung der Psychotherapieforschung diente. In einem Gespräch mit dem Ministerium im März 2011wurde eine Fortführung dieser Aktivitäten im Sinne eines Roadmap-Prozesses in Aussicht genommen.

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